The Accidents of Unitarian History: From Puritans to Educated Activists

Unitarianism is often defined in terms of abstract and universal principles, such as “freedom, reason, and tolerance,” or “the inherent worth and dignity of every person.”  But, like every tradition, it has also been shaped by its cultural context and by chance events and circumstances.  These accidents of history give flesh to the spirit of liberal religion. Without them, we might not have institutions or communities to pass our principles down to future generations.

This presentation will explore five accidents of history that have shaped Unitarianism in the United States: its ancestry in the Puritan churches of New England; its birth just after the American Revolution, when the nation was launching its experiment with religious freedom; its transformative encounter with German idealism during the age of Emerson; its symbiotic relationship with colleges and universities; and its marriage, in 1961, to the Universalist tradition. These stories may inspire German Unitarians to reflect on the accidents that have shaped their own past—and future.

Lecturer: Prof Dan McKanan, Harvard Divinity School

Religion and the American Left: A Tradition of Transformative Encounter

For more than two centuries, people of faith have been at the forefront of social change movements in the United States. White Unitarians, Quakers, and revivalists worked alongside Black Methodists and Baptists in the struggle to end slavery. Nineteenth century labor leaders honed their speaking skills in Universalist churches and congregations of Freethinkers. Early twentieth century socialists claimed that Jesus, too, had been a socialist. Mohandas Gandhi’s Hindu discipline inspired the people who ended racial segregation in the American South, just as the Roman Catholics Dorothy Day and Thomas Merton provided a pacifist spirituality for those who protested the Vietnam War. This long tradition is alive today in the Occupy Movement, which regularly sponsors public worship and private meditation. It was also on display at the 2012 General Assembly of the Unitarian Universalist Association, where thousands of people demonstrated at a detention center for undocumented immigrants. Religious faith, these Unitarian Universalists declared, called them to “Stand on the Side of Love.”

This presentation will explore the surprising stories of religion and the American left. Circumstances unique to the United States, such as the national embrace of religious freedom, made it easier for religious people to work for social change in the United States than in many western societies. But, as a consequence, American leftists discovered a truth that can be experienced in any culture: when human beings meet one another deeply, glimpsing the divine image in their struggles for freedom and equality and community, they gain the power to change both themselves and their world.

Lecturer: Prof Dan McKanan, Harvard Divinity School

Von Emerson zu Schweitzer … und weiter?

Das Thema weist auf eine Entwicklung hin, die sich bei den Unitariern vollzogen hat und die möglichweise weiter fortschreitet. Tatsächlich entwickelt sich die Menschheit aufgrund der unübersehbaren Fülle von Verschaltungsmöglichkeiten in den menschlichen Gehirnen. Jede Kulturstufe setzt einen bestimmten Bewußtseinszustand voraus, der in den neuronalen Verschaltungen der Gehirne der Kulturträger manifestiert sein muß und die in deren Kindheit und Jugend zu erwerben sind, damit eine Kultur erhalten und weiterentwickelt werden kann. Diese Kulturstufen lassen sich anfänglich als eine mythische  und eine darauf folgende Phase eines unterwürfigen Bewußtseins unterscheiden, in der die Offenbarungsreligionen nacheinander entstanden sind.

Die nachfolgende Phase der Aufklärung bringt Auseinandersetzungen mit den Offenbarungsreligionen mit sich, in die Emerson hineingeboren wird. In seinem frühen Essay Nature entledigt er sich vehement jeder Form von Unterwürfigkeitsbewußtsein. Dies führt mit der Aufklärung zu einem sich stetig ausbreitenden Individualitätsbewußtsein in Nordamerika und in Europa verbunden mit einem zunehmenden wissenschaftlichen Fortschrittsglauben bis heute. Diese Entwicklung vermindert die Gemeinschaftsfähigkeit der Menschen. Eine innere Isolation und das zunehmende Gefühl der Sinnlosigkeit verbreiten sich. Emerson weist nicht nur auf diese Gefahren hin, sondern zeigt auch auf, wie durch seinen unitarischen Glauben an die Oversoul (unpersönliche Überseele) diesen Gefahren sinnstiftend begegnet werden kann, daß die unitarische Überzeugung  der Einheit allen Seins in allen Lebensbereichen glückhaft erlebt werden kann.

Albert Schweitzer wächst bereits in die Zeit der zunehmenden Individualisierung und Vereinzelung der Menschen hinein, in eine Zeit, die er als Zeit des Kulturverfalls erlebt, der durch den Verlust an tragenden ethischen Werten und sinnvollen Orientierungen ungebremst fortschreitet. Die Veräußerlichung des menschlichen Lebens, die durch die verlorengegangene Überzeugungskraft der traditionellen Sinnstiftungssysteme bewirkt wurde, läßt sich für Schweitzer nur durch eine Verinner-lichung des ethischen Bewußtseins überwinden, das die Ehrfurcht vor allem Leben beinhaltet.

Die weitere Entwicklung der menschlichen Bewußtseinsformen deutet Schweitzer bereits mit seiner schon früh gefundenen Aussage an: “Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“.

Dies ist ein neues Bewußtsein, der grundsätzlichen Verbundenheit allen Lebens, wie es von Emerson bereits theoretisch gedacht, aber von Schweitzer gelebt wurde. In den grundsätzlichen Relativismus, der dieses unitarische Denken durchzieht, wird künftig ein Bewußtsein der gegenseitigen Abhängigkeit Stabilität der Werte hineintragen können, da stabile Ganzheiten nur durch gegenseitige existentielle Abhängigkeiten schon in der Natur hervorgebracht werden. Dies gilt von der Molekülbildung bishin zur Willens- und Bewußtseinsbildung von Tier und Mensch und den kulturellen Lebewesen, als welche alle menschlichen Gemeinschaftsformen anzusehen sind. Das unitarische Streben nach friedlichem Zusammenleben von natürlichen und kulturellen Lebewesen könnte durch die Heranbildung eines Bewußtseins der gegenseitigen Abhängigkeit unserer Denk- und Lebensformen zielführend werden

Vortragender: Prof. Wolfgang Deppert, Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft

Kurzbibliographie:Jahrgang 1938, Schlosserlehre, Studium des Maschinenbaus und der Physik, Assistent im Philosophischen Seminar der Universität Kiel, 1975 Promotion in theoretischer Elementarteilchenphysik, Habilitation in Philosophie über den Zeitbegriff,

Von 1991 bis 2004 nahm er neben seinen Lehrverpflichtungen an der Kieler Universität einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Lübeck wahr. Auf Initiative von Professoren der Karl-Marx-Universität Leipzig lehrte Deppert vom Wintersemester 1991 bis einschließlich Sommersemester 1993 Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Leipzig.  In dieser Zeit auch Vorlesungen und Seminare am Institut für Sozialökologie an der Humboldt-Universität in Berlin. 1995 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ernannt. Im Sommersemester 1995 war er Gastdozent am Soziologischen Institut der Karl-Franzens-Universität Graz. Neben seiner Lehrtätigkeit am Philosophischen Seminar der Universität Kiel wurde er im Sommersemester 1996 zum Mitglied des Lehrkörpers des Graduiertenkollegs „Integrative Umweltbewertung“ des Ökologie-Zentrums der Universität Kiel berufen. Deppert hat an der Universität Kiel diverse interdisziplinäre Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, darunter den Arbeitskreis für interdisziplinäre Forschung und Lehre, die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Die SE-Problematik“ oder den Sokrates-Studien-Organisationsverein. Seit 2003 ist er pensioniert. 2005 wurde er zum Gründungsrektor des Sokrates-Universitäts-Vereins e. V. gewählt.

Seit vielen Jahren ist Deppert bei den Deutschen Unitariern aktiv. Er war Leiter des Geistigen Rates der Deutschen Unitarier, hat in Kiel die Regionalgruppe des Hilfswerks der Deutschen Unitarier (HDU) gegründet und ist jetzt Gemeindeleiter der Deutschen Unitarier Kiel.

Religion und die Amerikanische Linke: Eine Tradition prägender Begegnungen

Während mehr als zwei Jahrhunderte standen religiöse Menschen im Vordergrund der gesellschaftlichen Bewegungen des sozialen Wandels in Amerika. Weiße Unitarier, Quaker und die Erweckungsbewegung arbeiteten Seite an Seite mit schwarzen Methodisten und Baptisten im Kampf gegen die Sklaverei. Führende Personen der Arbeiterpartei des 19. Jhd. schärften ihre Redegewandtheit in Kirchen der Universalisten und Freidenkergemeinden. Sozialisten proklamierten am Anfang des 20. Jhd., Jesus sei wie sie Sozialist gewesen. Die hinduistische Lehre Mahatma Gandhis inspirierte die Menschen, die die Rassentrennung im amerikanischen Süden beendeten, ebenso wie die römisch-katholische Gläubige Dorothy Day (Anm.d.Übers.: Gründerin der amerikanischen Katholischen Arbeiterbewegung) und Thomas Merton (Anm.d.Übers.: amerikanischer, katholischer Schriftsteller), die eine pazifistische Spiritualität für die Gegner des Vietnamkrieges vermittelten. Diese lange Tradition lebt heute in der Occupy-Bewegung weiter, die regelmäßig öffentliche Gottesdienste und private Meditationen abhält. Dies wurde ebenfalls anlässlich der Generalversammlung 2012 der Unitarian Universalist Association deutlich, bei der Tausende vor einer Haftanstalt für die Rechte von Immigranten ohne Ausweispapiere demonstrierten. Diese Unitarischen Universalisten erklärten, dass ihr religiöser Glaube sie dazu auffordere, „auf der Seite der Liebe zu stehen“.

Dieser Vortrag untersucht die überraschenden Geschichten um die Religion und die amerikanische Linke. Besondere amerikanische Umstände, wie die landesweite Übernahme der Religionsfreiheit, machten es im Vergleich zu vielen anderen westlichen Gesellschaften für Gläubige einfacher, den sozialen Wandel in den Vereinigten Staaten voranzutreiben,. Als Konsequenz andererseits entdeckte die amerikanische Linke eine Wahrheit, die auch in jeder anderen Kultur erlebt wird: wenn Menschen in inniger Begegnung aufeinander treffen, erfahren sie in ihrem Mühen um Freiheit, Gleichheit und Gemeinschaft einen flüchtigen Blick auf das Göttliche, der ihnen die Kraft gibt, beides zu verändern – sich selbst und ihre Welt.

Vortragender: Prof. Dan McKanan, Harvard Divinity School

Kurzbiographie: Dan McKanan ist Inhaber der Ralph Waldo Emerson Unitarian Universalist Professur an der Harvard Divinity School. Er forscht zu Religion und sozialen Wandel in den USA und ist Autor von vier Fachbüchern. Sein kürzlich erschienenes Werk Prophetic Encounters: Religion and the American Radical Tradition (Beacon, 2011) (Prophetische Begegnungen: Religion und die Tradition der Amerikanischen Radikalen), wurde mit dem Melcher-Preis 2011 der Unitarian Universalist Association ausgezeichnet.

Sozinianer und Friedrich der Große – eine Geschichte der Toleranz?

Sozinianer, und damit die Vorläufer der Unitarier, blicken auf eine
Geschichte von Vertreibung und Intoleranz zurück. Relativ unbekannt ist das Kapitel der Ansiedlung sozinianischer, und damals sogar schon als unitarisch bezeichneter Gruppen in Preussen. Der Vortrag wird den Weg in das preussische Exil nachzeichen, der Frage nachgehen, ob sich hier die sprichwörtliche preussische Toleranz nachweisen lässt und einen Ausblick auf
die Nachfriderizianische Zeit werfen.

Vortragender: Nikolas Schröder, Unitarische Kirche in Berlin

Kurzbiographie: Jahrgang 1984; seit 2002 Kirchenrat der Unitarischen Kirche in Berlin; 2004 Abitur; seit 2006 Studium der Alten Geschichte, Geschichte, Historische
Hilfswissenschaften und Religionswissenschaft an der Universität Leipzig, der Friedrich-Schiller Universität Jena und der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg; 2008-2010 Studentenvertreter am Institut für Geschichte; seit 2010 studentische Hilfskraft am Institut für Geschichte

Liberalreligiöse Gemeinschaften im religionspolitischen Diskurs der Weimarer Republik

Mit dem verlorenen Ersten Weltkrieg schien eine neue, eine demokratische Epoche zu beginnen, denn die alten Mächte, die Monarchen und die staatskirchliche Struktur, mussten abdanken. Die Weimarer Verfassung ermöglichte einen Neuanfang auf dem Gebiet der Religion. Die Kirchen, zumal die evangelischen suchten nach neuen Strukturen und bildeten verschiedene Kirchenkonzepte aus. Dasselbe ging auch auf dem außerkirchlichen religiösen Feld vor. Da sie zahlenmäßig klein waren suchten sie in unterschiedlichen Koalitionen, Zweckverbänden und Arbeitsgemeinschaften Einfluss auf die religiöse Entwicklung in Deutschland zu nehmen. Im Rückblick erscheint die Phase der Weimarer Republik, die man mit 1936 beenden lässt, als eine Vereinheitlichungsphase der religiösen Traditionen, auf die der Staat maßgeblich Einfluss genommen hat.

Vortragender: Dr. Ulrich Nanko, Universität Tübingen

Kurzbiographie: Ulrich Nanko, geb.1948, Studium der katholischen Theologie, der Vergleichenden Religionswissenschaft und der Vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Tübingen. 1989 Promotion mit der Arbeit: Die Deutsche Glaubensbewegung. Seit 1992 Lehrbeauftragter an der PH Ludwigsburg, Universität Stuttgart und Universität Tübingen; viele Artikel zur Geschichte zur Freidenkerbewegung und deutschgläubigen Bewegung.

Zur Geschichte und Lehre der Unitarischen Kirche in Berlin

Die Unitarische Kirche in Berlin wurde 1948 von Hansgeorg Remus gegründet, der auch ihr erster Pfarrer wurde. 1963 übernahm der berühmte Philosoph, Theologe, Musiker und Arzt Albert Schweitzer, der dem unitarischen Gedankengut sehr nahe stand und der „Unitarian Universalist Church of the Larger Fellowship“ angehörte, die Schirmherrschaft über die Unitarische Kirche in Berlin.

Geschichte und Entstehung der Unitarischen Kirche in Berlin (UKiB) sind jedoch bislang wissenschaftlich nicht erforscht. Der Vortrag beschäftigt sich, gestützt auf persönliche Erinnerungen und eine lückenhafte Aktenlage, mit folgenden Themen:

  • Der Werdegang des Gründers
  • Die Situation der Religionsgemeinschaften in der 4-Sektoren-Stadt nach dem II. Weltkrieg
  • Glaubensaussagen und ihre liturgische Ausformung
  • Das Zeichen
  • Heutige Situation und Ausblick

Vortragender: Pfarrer Martin Schröder, Unitarische Kirche in Berlin

Kurzlebenslauf: Martin Schröder wird am 24.3.1947 in Berlin geboren. Ab 1967 studiert er Germanistik, Psychologie, Geschichte und Musikerziehung. 1977 wird er als zweiter Pfarrer der Unitarischen Kirche in Berlin in sein Amt eingeführt. Im Januar 2000 erfolgt seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand als Studiendirektor.

Wir sind viele. Über eine Denkfigur bei Goethe, Emerson und Whitman

Sowenig sich Johann Wolfgang Goethes Einfluss auf Ralph Waldo Emerson unterschätzen lässt, so zentral ist die Bedeutung Emersons für Walt Whitman. Die Genealogie der gegenseitigen Rezeption lässt sich aus den Werken selbst nachvollziehen, wobei als gemeinsamer Grundgedanke eine spezifische Konzeption von Vielstimmigkeit ins Blickfeld gerät. So bezieht sich Emerson zur Darstellung des Verhältnisses der zugleich individuellen wie universellen Beschaffenheit der Welt und des Menschen explizit auf Goethe und dessen berühmte Selbstbeschreibung als ein „Kollektivwesen“ – „an aggregation of beings taken from the whole of nature‚. Diese Weltbeziehung des Dichters spiegele sich im dichterischen Werk Goethes wider, so Emerson in seinem Essay Goethe; or, the Writer (1850), ja es entstehe geradezu „by reason of the multitude.“ Damit allerdings ist ein Begriff genannt, der zugleich eine zentrale Stellung im Werk Walt Whitmans einnimmt: Das Sprechen eines Kollektivs durch den Einzelnen hindurch wird im „Song of Myself“ ausdrücklich besungen, der als Teil der „Leaves of Grass“ (1855) grundlegend auf Emersons Denken aufbaut: „I am large, I contain multitudes.“ Mein Vortrag wird diese gemeinsame Denkfigur im Werk Goethes, Emersons und Whitmans unter Berücksichtigung der jeweiligen Umdeutungen und Funktionalisierungen nachzeichnen.

Vortragender: Dr. Kai Sina, Universität Göttingen

Kurzbiographie: Studium der Neueren deutschen Literatur- und Medienwissenschaft, Mediävistik und Philosophie in Kiel; Promotion in Göttingen mit der Studie „Sühnewerk und Opferleben. Kunstreligion bei Walter Kempowski“; seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Deutsche Philologie (Lehrstuhl Prof. Detering).

Einzeln und Frei oder gemeinsam für die Freiheit? Was und wie können freie Religionsgemeinschaften in der Gesellschaft (be)wirken?

Heute scheinen die Stimmen gerade konservativer religiöser Gruppen besonders  laut  zu ertönen und werden damit in der Gesellschaft sehr stark wahrgenommen. Anders ist dies mit liberalen Gemeinschaften. Nicht, dass sie sich nicht auch zu Wort melden, das tun sie, aber abwägende, eher sachliche Stellungnahmen haben nicht den gleichen medialen Effekt wie Klagen religiösen Verletztseins. Aber das ist nur die eine Seite, wesentlicher noch ist die Frage, ob und zu welchen gesellschaftlich wichtigen Themen Freie Religion überhaupt etwas zu  sagen hat oder zu sagen haben will. Und hinzu kommt die Frage, ob es nicht wichtig ist, dass Freie Religion viel stärker mit anderen zusammen spricht, auch im Wissen, wie schwer die Vielfalt der Meinungen dabei nach außen darzustellen ist. These ist: Freie Religion wird mehr miteinander für die Freiheit eintreten können, wenn sie als Haltung, nicht als Inhalt aufgefasst wird. Dass diese Haltung dann sehr wohl in gemeinsame Inhalte münden kann, ist das Spannende und die besondere Aufgabe Freier Religion und Weltanschauung.

Vortragende: Renate Bauer, Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften

Kurzbiographie: Geb. 1952  in Hassloch/Pfalz, studierte Psychologie und Philosophie in Marburg, Trier und Syracuse (USA). Seit 1977 ist die Diplom-Psychologin hauptamtlich als Landessprecherin bei der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz tätig. Mehrere Jahre Auslandsreferentin des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften. Seit 2010 Präsidentin des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW), seit 2012 Vizepräsidentin der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF).

Vorträge und Veröffentlichungen bei verschiedenen Tagungen der Freien Akademie und den Tagungsbänden zu Themen aus Religion, Philosophie und Psychologie. Verfasserin mehrerer biographischer Darstellungen freireligiöser Persönlichkeiten für das „Lexikon freireligiöser Personen“ (Hg. Eckhart Pilick)  und NDB. Zahlreiche Aufsätze in der Zeitschrift „Wege ohne Dogma“. 2004 Veröffentlichung im Sammelband „Ludwig Feuerbach  –  Religionskritik und Geistesfreiheit“ und 2009 in „Der beständige Wandel – Charles Darwin und das Entwicklungsdenken“.

Die deutsch-unitarische Entwicklung seit 1945

Die Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft hatte seit Kriegsende eine Reihe von Bewährungen zu bestehen. Als Laiengemeinschaft musste sie sich wiederholt dominanter Wortführer erwehren und ihre ganze demokratische Energie einsetzen, um die zentralen religiösen Grundsätze zu bewahren. Nach einem anfänglich dramatischen Wachstum der Gemeinschaft musste sie verschiedene Abspaltungen verkraften, um ihre unitarische Identität zu bewahren. Nach einer Innenorientierung seit Ende der 1980er Jahre in Folge verleumderischer Angriffen aus extremistischen Kreisen, denen sich die Gemeinschaft nur schwer erwehren konnte, setzt in den letzten Jahren wieder eine zunehmende Öffnung der Gemeinschaft sowie ein verstärktes Werben für die unitarische Idee und um neue Mitglieder ein.

Der Vortrag zeichnet die Geschichte seit 1945 nach und beleuchtet die bedeutenden Wegmarken und kritischen Wendepunkte. Desweiteren zeigt er die identitätsstiftenden Etappenziele der Entwicklung auf und benennt Maßnahmen zur Sicherung der gemeinschaftlichen Zukunft. Darüber hinaus zeigt er Fragestellungen auf, die in der Aufarbeitung der Geschichte der Religionsgemeinschaft bislang noch unbeantwortet sind.

Vortragender: Dr. Jörg Last, Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft

Kurzbiographie: Jahrgang 1966, Unternehmer, seit 1995 Mitarbeit im so genannten „Geistigen Rat“ der Religionsgemeinschaft Deutscher Unitarier.