Charles William Wendte als interreligiöser Brückenbauer

Dr. Charles William Wendte (1844-1931), Sohn deutscher Auswanderer in die USA, wurde dort unitarischer Geistlicher und interessierte sich bereits im Studium sehr für andere Religionen. 1900 wurde er zum General-Sekretär eines Gremiums gewählt, das die weltweite Zusammenarbeit aufgeschlossener religiöser Organisationen zum Ziel hatte. Es gelang Wendte zwischen 1901 und 1913 sechs große Weltkongresse zu initiieren, deren Teilnehmerzahl zum Teil bei weit über 2.000 Personen lag. Für die meisten Länder, in denen solche „Kongresse religiös Liberaler“ stattfanden, bedeutete dies den Beginn ihres organisierten interreligiösen Dialoges überhaupt, so auch 1910 in Berlin für Deutschland. Aber leider wurde der verdienstvolle Geistliche und Gelehrte später weitgehend vergessen und bisher nicht mit einem Wikipedia-Artikel usw. gewürdigt, obwohl er eine Autobiographie von über 1.000 Seiten Umfang hinterlassen hatte. Seine Verdienste um den interreligiösen Dialog, auch in Europa, sollten jetzt eine gerechtere Würdigung erfahren.

Vortragender: Dr. phil. Michael Sturm-Berger

Kurzbiographie: 1958 geboren und aufgewachsen in Kelkheim (Taunus), Studium der prähistorischen Archäologie (M. A.) und Religions-Wissenschaften (Dr. phil.) in Mainz, Frankfurt/Main und Berlin. Mitglied der Baha’i-Religion und seit 1991 im interreligiösen Dialog eingebunden, Vorsitzender von Religions for Peace Berlin und Geschäfts-Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgesellschaften in Berlin (AKR), wohnhaft in Erfurt. Forschungs-Schwerpunkte: prähistorische Religionen und Geschichte des interreligiösern Dialoges (besonders interreligiöser Konferenzen vor 1970).